Interview mit Jules

Interview mit Jules Koudonou

Das Vezuthando-Team hatte die Gelegenheit Jules Koudonou nach seinem vierwöchigen Besuch in Boulou-Wlamé, Togo, zu interviewen.

Vezuthando:
Jules, du warst von Ende Februar bis Ende März diesen Jahres in Togo und hast die Grundschule „Ecole Primaire Pentecôtiste Canaan de Boulou Wlamé“, ein Projekt unserer Organisation besucht, wie war dein Eindruck?


Jules: Gut. Im Vergleich zu letztem Jahr hat sich die Schule gut entwickelt. Vergangenes Jahr ist einer der Palmblätter-gedeckten Klassenräume abgebrannt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Inzwischen wurden alle Palmdächer durch Wellblechdächer ersetzt und die inzwischen vier Klassenräume sind größer und stabiler. Zudem wurde das Schulgelände umzäunt.

Vezuthando:
Wie hat sich die Schule seit letztem Jahr entwickelt?


Jules: Letztes Jahr wurden nur die Klassen eins bis vier der normalerweise sechs Jahrgänge einer togoischen Grundschule unterrichtet. Inzwischen gibt auch eine 5. Klasse. Nächstes Jahr soll dann die 6. Klasse folgen. Die zentralen Halbjahresprüfungen vor Ostern haben fast alle Schüler bestanden. In der 2. Klasse hatten Mädchen die besten vier Ergebnisse. Das gefällt mir. Die Schüler sind sehr motiviert zu lernen und zu arbeiten. Ich denke, wir konnten sie mit unserem Besuch [Anmerkung: Build & Ride – Bienvenue au Togo 2010] im letzten Jahr gut motivieren.

In der Schule wurde zusätzlich zu den drei Lehrern eine Lehrerin angestellt. Mir gefällt es, dass so Geschlechtergerechtigkeit hergestellt werden konnte. Die Frau haben wir auch letztes Jahr kennen gelernt. Sie stammt aus Bolou-Wlamé und hat auf dem Collège Deutsch gelernt. Sie wurde schwanger und musste deshalb die Schule kurz vor dem Examen verlassen. Die Anstellung als Lehrerin in der Grundschule gibt ihr die Möglichkeit von ihrer Großfamilie in Bolou-Wlamé Unterstützung zu erfahren und gleichzeitig erheblich zum Familieneinkommen beizutragen. Man sieht sie auf dem Foto mit ihrem Baby auf dem Rücken.

Vezuthando:
Was ist aus den Feldern geworden, die wir vor einem Jahr angelegt haben?


Jules: Als ich da war, war der Mais schon abgeerntet. Die Schüler konnten zwei volle Säcke ernten. Von dem Mais wird zwei Mal im Monat die gesamte Schülerschaft kostenlos mit Akume (zähe Knödel aus Maismehl mit Soße – eines der Nationalgerichte Togos) verköstigt. Einige Mütter bereiten diese für die Schüler zu. Von den Maniokstauden werden die Schweine gefüttert, da die Qualität des Manioks wegen der großen Feuchtigkeit nicht gut ist. Die Felder werden derzeit neu bepflanzt.

Vezuthando:
Was ist aus der Schweinezucht geworden?


Jules: Den Schweinen geht es gut. Sie sind wirklich riesengroß geworden. So groß, dass sie die Mauern des Schweinestalls zerstört haben, den wir letztes Jahr gebaut haben. Kuma, der sich ehrenamtlich liebevoll um die Schweine kümmert, hat mit Hilfe der Dorfbewohner eine Umzäumung aus Holz und Bambus errichtet, die den Kräften der Schweine standhält. Ich habe bei meinem Besuch die Neugestaltung der Tröge finanziert und begleitet. Eine Sau ist schwanger und wir erwarten in den kommenden Monaten ihren ersten Wurf [Anmerkung: Die Sau hat nach dem Interview fünf gesunde Ferkel zur Welt gebracht]. Eine zweite Sau muss gegen eine andere eingetauscht werden, da sie die Schwester von dem Eber ist und deshalb nicht von ihm schwanger wird.

Vezuthando:
Wie geht es der Schule finanziell?


Jules: Die Schule ist eine private Schule. Deshalb wird sie nicht vom Staat unterstützt. Sie ist in ihrem jetzigen Stadium des Aufbaus sehr von finanziellen Mitteln von außerhalb angewiesen. Alle sind sehr dankbar für die großartige Unterstützung durch Vezuthando e. V.. Ohne Vezuthando könnte die Schule derzeit nicht überleben. Zwar sollen die Eltern Schulgeld für ihre Kinder bezahlen, jedoch hat der Leiter der Schule Kodjovi Adjoyi noch keinen effizienten Weg gefunden, dies auch durchzusetzen. Bislang zahlen viel zu wenige Eltern das Schulgeld für ihre Kinder. Wir müssen einen Weg finden, diese Situation zu verbessern. Ich habe mir überlegt, dass monatliche kleine Raten eventuell eine geringere Hürde für die Eltern darstellen, als die einmalige Zahlung für ein ganzes Schuljahr. Dazu kommt, dass die staatlichen Schulen in Togo kostenlos sind. Dieser Umstand trägt vielleicht zu der Anspruchshaltung der Eltern auf eine kostenlose Grundschulbildung ihrer Kinder bei.

Vezuthando:
Welche Pläne hat die Schule für das kommende Jahr?


Jules: Da das Geld für den Büroraum inzwischen angekommen ist, wird dieser sicherlich so bald wie möglich in Angriff genommen. Der Rohbau, der für das Lehrerzimmer vorgesehen ist, steht immer noch bereit und muss nur renoviert und mit einem neuen Dach versehen werden. Wichtig sind auch neue sanitäre Anlagen. Bislang diente ein Loch im Gras als Abort. Sie werden bei der gestiegenen Anzahl an Schülern geschlechtergetrennte Verschläge errichten müssen. Kommendes Schuljahr wird der 6. Klassenjahrgang eröffnet und ich hoffe natürlich sehr, dass bald der Schulbau angefangen werden kann. Unser Ziel ist es bis zum nächsten ‚Build & Ride - Bienvenue au Togo’ im kommenden Jahr die Mittel für den dringend benötigten Trinkwasserbrunnen zusammen zu bekommen.

Vezuthando:
Vielen Dank für das Interview.



Um den Trinkwasserbrunnen im kommenden Jahr realisieren zu können, freut sich die Organisation Vezuthando e.V. über Zuwendungen. Für Rückfragen stehen Ihnen mc-claudia.huck-prt1(at)impl-vezuthando-rbdp-(dot)-radp-de und Jules Koudonou gern zur Verfügung.